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Eine tiefe Brust, es muss schöne Hörner haben. Das sind so Kleinigkeiten, die der Schäfer nicht immer in Betracht zieht.

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Furi
10.8.2015

Nachgefragt beim Schäfer Heini Biner

Veröffentlicht auf den Kanälen von Zermatt Tourismus

Ich hatte die Ehre, das letzte Interview mit dem schweizweit bekannten Schäfer Heini Biner zu führen. 2016 kam er auf tragische Weise ums Leben. Heini Biner hatte einen unnachahmlichen Humor, der auch in diesem Interview aufblitzt.

Jedes Jahr prämieren Experten auf Furi, einem Weiler oberhalb von Zermatt, das schönste Schwarznasenschaf des Jahres. Doch woher wissen die, das ausgerechnet dieses eine das Schönste unter Hunderten von Schafen ist? Einer, der es wissen musste, war Heini Biner.

Schon als dreijähriger Junge lief er mit den Schafen seines Vaters mit. Der schenkte dem Sohn, als er sieben Jahre alt war, ein Schaf namens Uta. „An dem hatte ich einen Narren gefressen.“

 

Heini Biner, warum glaubt ein Schäfer, dass sein Schaf das schönste ist?

Das liegt in der Natur der Sache. Es ist wie mit Männer und Frauen: Jeder Mann hat für Frauen einen anderen Blick (lacht). Das ist nun einmal so. Wenn zwanzig Schäfer zusammensitzen und reden über Schafe, dann hält jeder sein Schaf für das schönste Schaf. Und dann kommen die Experten aus dem Tal, die extra ausgebildet und pingelig sind und bewerten. Der Schäfer ist dann nicht gerade zufrieden mit dem, was der Experte über seine Schafe sagt.

 

Welche Kriterien legen die Experten an?

Der Typ ist sehr wichtig. Der Gang. Es muss schön breit laufen, die Beine müssen gerade sein, keine X- oder O-Beine haben. Eine tiefe Brust, vorne breit stehen, schöne Hörner haben. Das sind so Kleinigkeiten, die der Schäfer nicht immer in Betracht zieht. Der schaut sein Schaf an und sagt: Das ist ein schönes Schaf – aber schlussendlich sind da die Experten und dann geht's sehr hart zur Sache. Herauszufinden, welches das Schönste ist – das ist gar nicht so einfach.

 

Haben Sie Ihre Kollegen manchmal beraten? Sie sind ja sehr erfahren.

Früher kamen sie zu mir und haben gesagt: „Wie soll das Schaf aussehen? Du bist ja Experte, Heini. Ist das ein gutes Schaf?“ Ich habe dann gesagt: „Das Schaf ist gut, aber Punkte verteilen, das machen die anderen.“ Nachher geben die Experten einen Punkt weniger, und die Kollegen sagen: „Eh – der Heini hat gesagt, das Schaf gibt so viel Punkte!“

 

Sind Schafe eigentlich so dumm, wie manchmal behauptet wird?

Das Schwarznasenschaf ist sehr intelligent. Es ist ein standorttreues Tier. Im Sommer gibt es hier oben auch mal Schnee und dicken Nebel. Das Schaf weiss immer, wo es ist und wo es heimgehen kann, wenn es sein muss. Als ich als Junge noch Schafe gehütet habe, sagte der Vater immer: Wenn Ihr abends nicht wisst, wie Ihr heimkommen sollt, treibt immer die Schafe vor euch her, dann kommt Ihr 100%ig zum Stall.