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Daniela hat gute Ideen. Und sie macht gute Businesspläne. So hat die Walliserin etwas fertiggebracht, was vor ihr noch nie jemand geschafft hat.

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Bettmeralp
19.10.2018

Daniela und die Energietankstelle

Der Text wurde veröffentlicht im Wirtschaftsmagazin Peak45.

Eine Geschichte über das Geben und Nehmen und über die ewigen Gesetze der Gastfreundschaft

 

„Sie hat die Gabe und ist sehr gut im Spüren“, sagt Vreni Berchtold über ihre Tochter Daniela. Eine junge Hotelière auf der Bettmeralp: Zusammen mit ihrem Vater Ernest führt Daniela Berchtold in dritter Generation das Hotel Waldhaus. Mutter Vreni, die pensioniert ist, hilft immer noch mit. Im nächsten Jahr geht der Vater in Rente. Dann verantwortet die Tochter die Geschicke des Hotels allein.

Daniela, die Sanfte: Sie mag Wellenreiten und Yoga. Die gelernte Köchin ist affin für eine bewusste, fleischarme Ernährung. Dennoch gibt sie acht, dass sie mit diesem Stil, den sie aus eigenem Interesse im Hotel ausprobiert, die Stammgäste, die immer noch 70-80% ausmachen, nicht erschreckt. Mondholz, Bio-Produkte aus regionalem Anbau, veganes Essen: „Es gibt Gäste, die das belächeln, aber es stört sie auch nicht“, sagt die Hotelière.

Daniela, die Erstaunliche: Sie hat gute Ideen. Und sie macht gute Businesspläne. So hat die Walliserin etwas fertiggebracht, was vor ihr noch nie jemand geschafft hat: Mit ihrem Holz100-Projekt - dem Ausbau von sechs Südzimmern mit Mondholz – Holz, das im Winter zur Saftruhe unter Berücksichtigung des forstwirtschaftlichen Mondkalenders gefällt wird - hat sie den höchsten Betrag, der jemals auf der Schweizer Crowdfunding-Plattform wemakeit.ch gespendet wurde, eingesammelt: CHF 30.000. Mit dieser Tat zog die junge Berchtold eine Kooperation mit einer Firma an Land, die ein Jahr lang ihre Mitarbeiter ins Waldhaus schicken wird, um eines der Holz100-Zimmer zu bewohnen.

Insgesamt CHF 50.000 kamen auf der Plattform zusammen. Die Aktion war ein Testlauf, ob der Ausbau unter den Kriterien der Nachhaltigkeit den Zeitgeist trifft. Aufgestockt mit Geldern aus öffentlichen Fonds wie der Schweizer Berghilfe, sammelten die Berchtolds weitere CHF 200.000 von Stammgästen ein, die mit Beträgen über CHF 5.000 bei einem Rabatt von 10% ihren Aufenthalt im Waldhaus im Voraus bezahlten. Ein kühnes Finanzierungskonzept, das aus der Not geboren war, denn die Bank gab kein Geld. „Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht.“ Diesen Spruch postete Daniela auf dem Instagram-Account des Hotels. Die enkeltaugliche Waldhaus-Philosophie zog Kreise. In den Kommentarspalten von 1815.ch lieferten sich Weltanschauungsexperten und Bewunderer über Mondholz und zeitgemässes Hotel-Marketing einen Schlagabtausch. Einer schreibt: „Die Betreiber des Waldhauses erheitern die Gemeinde bereits seit längerem mit ihren verrückten Ideen. Jetzt haben sie den Vogel endgültig abgeschossen.“

Gäste, die geben mehr als Geld

In Zeiten, in denen viele kleine und mittlere Hotels in der Schweiz einer ungewissen Zukunft entgegenblicken, geben Stammgäste ihren Gastgebern mehr, als früher üblich war: ihre Treue, ihr Geld für einen schönen Urlaub – das versteht sich – aber jetzt noch im Voraus, damit sie im kommenden Winter im Mondholz-Kokon übernachten können, und helfen so den Berchtolds bei der Modernisierung als Teilfinanciers. Sie geben Interviews, um ihre Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Denn sie sehen, wie Daniela, die Erstaunliche, etwas erhält und weiterentwickelt, das auch für sie wichtig ist.